PIMP DEIN RADWEG N°5 – SCHUTZKREUZUNG 2

Pimp dein Radweg Titel

KREUZUNG RHEIN-/NECKAR-/KASINOSTR.

Karte Piktogramm

Die erste große Kreuzung haben wir im Rahmen der Reihe KREUZUNGSDESIGN DELUXE -Teil 6 umgeplant. Auf Initiative von Darmstadt fährt Rad ist Anfang 2019 die erste Darmstädter Protected Bikelane auf der Rheinstraße zwischen der Neckarstraße und Grafenstraße entstanden. Im Rahmen dieser Baumaßnahmen ist leider auch die Kreuzung vor dieser geschützten Radverkehrsanlage eine Fahrradweiche (sogenannter Radfahrstreifen in Mittellage – RiM) neu markiert worden. Auch wenn dieser Radfahrstreifen etwas breiter markiert wurde, so stellen diese Radverkehrsanlagen keine gute Lösung für den Radverkehr dar. Diese Fahrradweichen sind durch Kfz überfahrbahr und müssen von rechtsabbiegenden Fahrzeugen auch überfahren werden. Die Grundidee von RiM war die Konfliktzone, an der Kreuzungsecke auf diese Strecke vorzuverlegen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass dadurch das Unfallrisiko nicht verringert werden kann. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass Autofahrer Radfahrer auf diesen Streifen nur indirekt im Spiegel wahrnehmen können.

Fahrradweiche
Fahrradweiche oder Radfahrstreifen in Mittellage (RiM) an der Rhein-/Neckarstr.

Zudem berücksichtigen Radfahrstreifen in Mittellage nicht die subjektive Sicherheit, d.h. sie fragen nicht danach, wie sich Radfahrende ohne physischen Schutz zwischen zwei Autoreihen fühlen. Bei diesem Design kann man keinen Blickkontakt mit Autofahrenden herstellen, um einzuschätzen, ob man selbst gesehen wurde und sich dementsprechen zu verhalten. Kinder und andere unsichere Radfahrer sind an solchen Stellen von der Teilnahme am Radverkehr ausgeschlossen.

BESTANDSANALYSE

Die Kreuzung Rhein- Ecke Neckar-/Kasinostraße ist Darmstadts wichtigster Verkehrsknotenpunkt der Nord/Süd- mit der West-/Ostachse. Das gilt nicht nur für den motorisierten Individialverkehr, sondern auch für den ÖPNV. Ein autogerechter Verkehrsbau hat an dieser Kreuzung ein Überangebot von Flächen für den Kfz-Verkehr geschaffen. Das macht den Knotenpunkt extrem unübersichtlich.

Gerade an den nördlichen Ecken sind Freiflächen oder Plätze (Kennedyplatz) vorhanden, die jedoch aufgrund ihrer Anlage aber auch aufgrund der hohen Verkehrsbelastung nur teilweise als Aufenthaltsfläche genutzt werden. Auf der Südseite steht dem Fußverkehr deutlich weniger Fläche zur Verfügung. Auf Höhe des schwarzen Hochhauses ist vom Seitenraum soviel Fläche für den Autoverkehr verwendet worden, dass der Fußverkehr ausschließlich in den Arkaden des Hochhauses geführt wird. In den nördlichen Ecken sind Dreiecksinseln vorhanden. An der westlichen Ecke gibt es eine echte „freie Rechtsabbiegespur“, d.h. das Kfz-Rechtsabbiegen ist nicht mit der Ampelanlage geregelt. Unter Beachtung der Vorfahrtsregeln kann frei abgebogen werden. An der nordöstlichen Ecke ist auch eine separate Rechtsabbiegespur vorhanden, diese liegt jedoch hinter der Ampel. Die südlichen Ecken sind ähnlich gestaltet. Die Radien der Fahrbahnränder sind daher sehr groß und damit die gefahrenen Abiegegeschwindigkeiten. Zum anderen rücken durch dieses Vorgehen die Fußgängerfurten weg vom Kreuzungszentrum. Dies in Verbindung mit einem Überangebot von Fahrstreifen macht ein Queren der Straßen an dieser Kreuzung zu einen sehr stressigen und gefährlichen Erlebnis. Insbesondere unter Berücksichtigung des hohen Umsteigeverkehrs (hoher Anteil von rennenden Fußgänger inkl. Rotlichtverstöße) zwischen den Haltestellen an der Neckarstraße und Rheinstraße ist die Anlage des Knotenpunktes fahrlässig.

Der Radverkehr ist an der Kreuzung fast unberücksichtigt. Radverkehrsanlagen gibt es nur in West-Ost- und Ost-West-Richtung. An der Kasinostraße im Norden sind keine Radverkehrsanlagen vorhanden. In Südrichtung darf hier nichtmal der Gehweg befahren werden. Im Süden an der Neckarstraße beginnt in Südrichtung ein viel zu schmaler Seitenraumradweg. In Richtung Norden löst sich der Radweg vor der Kreuzung auf. An der Kreuzung selbst gibt es keine sicheren Aufstellmöglichkeiten und keine eigene Ampelschaltung für den Radverkehr.

LÖSUNGSANSATZ

Der wichtigste Schritt bei einem Umbau zur Schutzkreuzung ist der Rückbau aller freien Kfz-Rechtsabbieger, und ein Verkleinern der Abbiegeradien. Auch das Überangebot von Kfz Spuren generell muss verringert werden. Dadurch wird die Kreuzung deutlich kompakter und begreifbarer, die Wege über Konfliktflächen für Fuß und Rad kürzer und damit sicherer. Alle Knotenpunktarme erhalten eine baulich geschützte Radverkehrsanlage, die an der Strecke möglichst in der Nähe der Fahrbahnen geführt wird, vor der Kreuzung der Querstraße jedoch etwas nach außen geführt wird. Dies erzeugt eine bessere Sicht auf Radfahrende und schafft eine Reaktionszone. Für Radfahrende entstehen Aufstellflächen, auf denen sie besser gesehen werden, von denen sie aber auch einen günstigeren Blick auf Fahrzeuge und ihre Fahrer*innen haben. Die Aufstellflächen sorgen dafür, dass geradeausfahrende Radfahrende (aber er auch rechstabbiegende Radfahrende aus der Querrichtung) nicht behindert werden.

Für den Fußverkehr sind nach dem Umbau deutlich mehr Flächen im Seitenraum vorhanden, auch städtebaulich werden die Räume so aufgewertet. Fast alle Fußgängerfurten werden in Richtung Kreuzungsmitte verlegt, so dass der Rundumlauf für Fußgänger nur noch ca. 73% von der Strecke im Bestand aufweist. In den Skizzen fehlen noch Zebrastreifen auf den Radwegen, die verdeutlichen sollen, dass der Fuß- gegenüber dem Radverkehr Vorrang hat. Die Fußgängerwarteflächen zwischen Radweg und Fahrbahn könnten tiefer sein, als im Entwurf.

(Neuentwurf vergrößern. Quelle Planung VORHER: Wissenschaftsstadt Darmstadt, Durth Roos Consulting GmbH)

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