UNGLEICHE GLEICHBERECHTIGEN – Teil 1

Warum wir im Straßenverkehr klare Zonen brauchen

Teil 1 – Ein Blick auf die Niederlande

Schlechte Luft, verstopfte Verkehrswege, Lärm, Verbrauch von fossilen Brennstoffen, Flächenversiegelung, Stress, Störung von Wegebeziehungen innerhalb der Städte, Bewegungsmangel und damit verbundene gesundheitliche Auswirkungen.

Radfahren ist die Lösung für eine Vielzahl von Problemen, die vor allem durch den Kraftverkehr erst entstanden sind.

Studien[i] [ii] belegen, dass die Förderung des Radfahrens der ganzen Gesellschaft positive Effekte bringt. In Maßnahmen zu investieren, die gut sind fürs Radfahren, ist auch gut für die Volkswirtschaft.

In Deutschland ist das Konsens. Deswegen ist Deutschland auch auf den vorderen Plätzen im europäischen Radfahr-Vergleich mit dabei [iii]. Dass die Deutschen viel Rad fahren, heißt jedoch nicht, dass im gleichen Maße in die Fahrrad-Infrastruktur investiert wird.

Viele Interessenverbände stricken mit am Thema. Die Bundes- und Landesregierungen [iv] [v], Städte und Gemeinden [vi], NGOs und Interessenverbände [vii].

Doch wenn es um die Investitionen in vernünftige Fahrradwegenetze geht, tun es die Behörden eher lustlos. Zuständigkeiten werden weitergereicht[viii] und man tut sich äußerst schwer, einen gemeinsamen und vor allem konsequenten Schlachtplan zur Förderung des Radfahrens zu entwickeln.

Warum ist das so? Was steht diesem wichtigen Schritt im Weg? Vielleicht lohnt ein Blick in das Radfahr-Vorzeigeland Niederlande:

Holland war nicht immer das verrückte Fahrradland von heute. In den Nachkriegsjahren passten sich die Straßen des Landes immer mehr dem neuen Wohlstand und damit den Notwendigkeiten des motorisierten Verkehrs an. Das Auto hatte den Stellenwert, den es in Deutschland heute noch hat: Freiheit, Luxus, Statussymbol. In den 70er Jahren brachte eine Kombination aus der Dominanz der Kraftfahrzeuge in den Städten, einer hohen Zahlen der Verkehrstoten (insbesondere unter Kindern) und Treibstoffknappheit während der Ölkrise das Fass zum Überlaufen und sorgten für ein Umdenken in der Politik mit allen Konsequenzen.

Holland hat in über 40 Jahren eine Kehrtwende vollzogen in Sachen Verkehr. Alle Verkehrsteilnehmer sind eine Symbiose eingegangen und führen trotz Ihrer Unterschiedlichkeiten ein harmonisches Nebeneinander. Für Deutsche gleicht es einem Wunder mit welcher Eleganz der Verkehr in Holland fließt, wie der Kurzfilm Bicycle anectodes from Amsterdam[ix] von Clarence Eckerson[x] eindrücklich zeigt.

Der Grundgedanke, dass der Langsame mich in meiner Entwicklung behindert ist dem Niederländer mittlerweile fremd. In Deutschland wird zu diesem Thema noch gefühlt. Nicht gedacht. Es ist erschreckend wie schnell eine zunächst rationale Facebook-Unterhaltung beispielsweise zu dem Darmstädter Echo-Artikel vom 06.12.16 „Radfahrer in Darmstadt leben gefährlich: Nirgends in Hessen so viele Unfallopfer“[xi] ganz schnell emotional, sogar aggressiv wird. „Fahrradfahrer missachten Verkehrsregeln!“ ist am Ende das Fazit der Unterhaltung. Diskussionsthema verfehlt! Aber diese Debatte zeigt auch, wie sehr sich die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer nerven und auf den Straßen in die Quere kommen.

In Deutschland stehen wir uns selbst im Weg. Buchstäblich!

Aus diesem Grund ist die radikale Investition in ein Radverkehrsnetz besonders wichtig. Sie ist das Mittel zur Vermeidung von Konfliktpotential. Nur sie kann Klassenkämpfe im Stadtverkehr vermeiden und das Gegeneinander wieder in ein Miteinander kehren.

Wenn es richtig gemacht wird.

Was richtig ist: Im TEIL 2 – Die Mär von der Gleichheit im Straßenverkehr

 

WEITERLESEN:

[i] http://www.fahrrad-fit.de/global/download/reduced_sickness_absence_kvl_l___Em_laag.pdf

[ii] https://ecf.com/sites/ecf.com/files/FINAL%20THE%20EU%20CYCLING%20ECONOMY_low%20res.pdf

[iii] https://nationaler-radverkehrsplan.de/de/aktuell/nachrichten/vcoe-listet-staedte-europa-auf-denen-am-meisten

[iv] https://nationaler-radverkehrsplan.de/de/bund/nationaler-radverkehrsplan-nrvp-2020

[v] http://www.fahrradland-bw.de/daten-fakten/gute-argumente/radfahren-ist-wirtschaftlich/

[vi] https://www.darmstadt.de/leben-in-darmstadt/mobilitaet-und-verkehr/fuss-und-rad/index.htm

[vii] https://www.vcd.org/themen/klimafreundliche-mobilitaet/

[viii] http://www.spiegel.de/reise/europa/niederlanden-verkehrspolitik-im-zeichen-des-fahrrads-a-868640.html

[ix] https://vimeo.com/77084110

[x] https://twitter.com/PurpleClarence

[xi] http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/radfahrer-in-darmstadt-leben-gefaehrlich-nirgends-in-hessen-so-viele-unfallopfer_17522145.htm

 

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar zu UNGLEICHE GLEICHBERECHTIGEN – Teil 2 – Darmstadt fährt Rad Antworten abbrechen

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.