Darmstadts Beste Schlechteste Radwege!

Es ist gut, wenn eine Stadt ein schlechtes Radwegenetz hat. Es ist gut, wenn man den Leuten die Spinnerei des Radfahrens austreibt. Radfahrende zahlen keine KFZ-Steuern, verursachen Staus und sind Rowdies der übelsten Sorte. Das ist nicht gut für eine Wissenschaftsstadt. Eine schlechte Infrastruktur kann dabei helfen, den Anteil der Radfahrer im Stadtverkehr klein zu halten.

Darmstadt fährt (Un-)Rad hat daher im April die Suche nach Darmstadts schlechtestem Radweg angestoßen. Gesucht werden sollte die Stelle im städtischen Straßennetz, die die Aufgabe am besten erfüllt, den Heinern und Heinerinnen die Laune am Radfahren zu nehmen. Nach den zahlreichen Vorschlägen, liegen die Favoriten vor. Vielen Dank an dieser Stelle für die Einsender.

Eine gute Schlechte Radinfrastruktur muss das Radfahren so unbequem wie möglich machen. Den gewieftesten unter den Radwegen gelingt dies auf unterschiedliche Art und Weise. Daher werden die pfiffigsten und besten Schlechtesten Radwege analog der 7 Goldenen Regeln für ein gutes Radnetz (nicht lesen: Radfahrerlobbyalarm-Alternativefakenews !!!!11!) in den folgenden Siegerkategorien ausgezeichnet:

  1. Mut zur Lücke! – Lücke N°1
  2. Eng Bang! – Engstelle N°1
  3. Wurzel Purzel! – Schlechteste Oberfläche N°1
  4. Camouflage: Bauauflage! (naja…) – Tarnung N°1
  5. Schlenker Lenker! – Umweg N°1
  6. Chaoten Knoten! – Kreuzungsfail N°1
  7. Tohuwabohu de luxe! – Mischverkehr-Chaos N°1

Zum Glück gibt es in Darmstadt zu jeder Kategorie immer noch unzählige freche Problemradwege. Manche Kandidaten, sind auch erst vor kurzer Zeit entstanden. Ein Indiz dafür, dass in den Planungsämtern doch noch einiges richtig gemacht wird. Man muss aber auch festhalten, dass es Darmstadt leider noch nicht geschafft hat, die Radfahrer auf eine Weise völlig zu desillusionieren, wie es beispielsweise in diesem Film präsentiert wird:

 

Hier also die Besten Kandidaten in den sieben Goldenen Spaßbremsenkategorien:


1.MUT ZUR LÜCKE

Nichts nimmt den Radfahrenden mehr die Lust, sich aufs Rad zu schwingen, als ein ständig unterbrochenes Radwegenetz. Ein Wegenetz, das sie dazu zwingt, auf die Straße auszuweichen oder über hohe Bordsteine zu fahren.

Wo kämen wir denn hin, wenn für den Radverkehr Flächen auf Kosten des KFZ-Verkehrs entstehen?

LÜCKE N°1

Ein wunderbares Beispiel, wie solch eine Lücke aussehen kann, liefert die Bleichstraße kurz vor der Einfahrt auf den Steubenplatz. Dort ist nämlich Schluss mit dem (viel zu breiten) Radfahrstreifen (2016 entstanden) und die Radfahrer gucken neben dem Schwerlastverkehr schön blöd aus der Wäsche. Nicht fertig machen bekommt ne Goldmedaille. N°1:

 

Die Bleichstraße muss sich den Preis jedoch teilen, denn es gibt ein Beispiel, das als Paradoxon kaum zu überbieten ist. Denn auch durch die Kombination mit anderen Elementen lässt sich der Verkehrsfluss der Radfahrenden wunderbar unterbrechen, wie dieses erst vor einigen Jahren entstandene Paradebeispiel aus der Pallaswiesenstraße zeigt. Gegenüber der Straße im Tiefen See stadteinwärts hat man ca. 2014 an dieser Stelle einen durchgängigen Radweg auf der Kreuzung entfernt, um an dessen Stelle ein verwirrendes Potpourri aus Hindernissen zu setzen. Dort wird der Radfahrende zunächst rechts von einer Bushaltestelle (1) attackiert, muss dann links der Ampel (2) ausweichen und wieder rechts eine Litfaßsäule (2) umfahren, die dort zur Vermeidung der guten Sichtbarkeit aufgestellt wurde, und bevor es auf die Kreuzung geht – als krönender Abschluss – stellt sich ein richtig hoher Bordstein ohne Absenkung (4) in den Weg. Wie es auf der Kreuzung weitergeht ist absolut nicht eindeutig. Eindeutig N°1:

 


2.ENG BANG!

Fahrradfahrer fühlen sich am unsichersten, wenn sie auf stark befahrenen Straßen, direkt neben den Lastern auf extrem schmalen Radfahrstreifen und ohne Barriere geführt werden. Am besten sind die Radspuren so schmal, dass sie gar nicht erst taugen für Lastenräder und Räder mit Anhängern. Dann sind diese Monster nämlich aus dem Weg.

Wo kämen wir hin, wenn sich Radfahrer untereinander auch noch überholten?

Engstelle N°1

Einer der engsten Radfahrstreifen – kombiniert mit höchstem Verkehrsaufkommen – befindet sich auf der Kasinostraße in Richtung Röhnring. Kurz vor der Kreuzung mit der Frankfurter Straße misst der Streifen lediglich 55cm+25cm weiße Linie, anstatt empfohlenen 1,85m. Eine Oberfläche in übelstem Zustand, ein ausgefranster Rinnstein, sowie diverse Hofausfahrten erhöhen den Stresslevel unter den Radfahrenden. Der Radfahrstreifen gehört offiziell nicht zur Fahrbahn, d.h. KFZ überholen die Radfahrer nicht und müssen daher keinen Abstand von 1,5m einhalten. (Psst: Lieber nicht erwähnen, dass der Radfahrstreifen an dieser Stelle durch bauliche Barrieren (Poller, Schwellen > s. Protected Bike Lanes 1) geschützt werden könnte):

 


3.WURZEL PURZEL

Ein schadhafter Bodenbelag ist besonders gut geeignet speziell ungeübten Radfahrern das Radeln madig zu machen. Verkrampfte Fahrweise um Schlaglöcher herum oder über Bodenwellen erfordert besonders viel Konzentration, die dann für die Wahrnehmung des umgebenden Verkehrs fehlt.

Der Straßenbelag für KFZ ist in Darmstadt generell in schlechtem Zustand. Wo kämen wir denn hin, wenn die Radwege auch noch instand gehalten würden.

Schlechteste Oberfläche N°1

Besonders gut ignoriert wurde der Belag auf dem Röhnring und Spessartring in Richtung Dieburger Biergarten, wo der sowieso extrem schmale Radweg durch die Baumwurzeln und losen Plattenbelag zu einem regelrechten BMX-Trail mutiert ist:

 

 


4.BAUAUFLAGE CAMOUFLAGE!

Einen Radweg zu benutzen, der den gleichen Grauton hat wie der Gehweg daneben, verleitet (nicht nur in ihrer Sehfähigkeit eingeschränkten) Fußgänger dazu, auf dem Radweg zu laufen. Das stresst Radfahrer.

Zwischen Autos eingezwängt auf Radspuren und Furten, die lediglich durch weiße Linien und Fahrradpiktogramme auf sich aufmerksam machen, macht das Radfahren auch zu einem besonders stressigen Erlebnis.

Ein Design, das ins Auge springt ist nicht nur sicherer, eine Studie der Uni Delft hat zudem gezeigt, dass der durchgängig rote Belag der niederländischen Radwege zur Attraktivität des Radfahrens beiträgt.

Wo kämen wir denn hin, wenn die Radverkehrsanlagen durch eine auffallende Gestaltung Werbung machten für die Alternative Fahrrad?

 

Tarnung N°1

Und wieder geht der Röhnring als gutes Beispiel voran. An der erst in den letzten Monaten fertiggestellten Kreuzung mit der Pankratiusstraße und Heinheimerstraße im Zuge der Umgestaltung der Pankratiustraße zur Fahrradstraße wurden zwei Radfahrspuren in Richtung Osten angelegt. Auf der ganzen Kreuzung weisen lediglich Radfahrpiktogramme darauf hin, dass die Spuren den Radfahrern vorbehalten sind. Die Kreuzung ist vor allem aufgrund der fehlenden Farbe für alle Verkehrsteilnehmer so herrlich verwirrend, dass es sogar einen Artikel im Echo dazu gab. Chamäleon Nr. 1:

 

Aber auch am Cityring gibt es einen Vorreiter in Sachen Radverkehrscamouflage. Ein vor allem durch Schwerlastverkehr stark befahrener Straßenabschnitt am Karolinenplatz wird begleitet von einem Radfahrstreifen. Dieser Streifen ist nicht nur ungeschützt, viel zu schmal (1m statt empfohlener 1,85m), er ist noch nicht einmal durchgängig rot eingefärbt. Erkennbar gibt sich die Radverkehrsanlage nur durch die darauf fahrenden Radfahrer. Herrlich unauffällig. Ebenso Nr.1 im Tarnen:

 


5.SCHLENKER LENKER!

Der Spaß am Radfahren wird am besten genommen, wenn man eine direkte Wegeverbindung vermeidet oder auf Radwegen Hindernisse in den Weg stellt wie Schilder, Ampelanlagen, Mülltonnen, Bushaltestellen oder parkende Autos.

Umweg N°1

Auf der mittleren Rheinstraße zwischen Neckarstraße und Luisenplatz fahren eine ganze Menge Radfahrer. Da lohnt sich das Aufstellen von Pfosten, Pollern, Müllcontainern, Restaurantmöbeln, etc. um regelmäßige Kollisionen zu schaffen zwischen schlenkernden Lenkenden und eingezwängten Fußgängern. Das fuchst die so richtig, während nebenan eine viel zu schmale Spur für den Kfz-Verkehr ungenutzt bleibt. Läuft! Definitiv N°1:

 


6.CHAOTEN KNOTEN!

Für alle Verkehrsteilnehmer gestaltete Kreuzungen kosten nur Geld. An Kreuzungen passieren die meisten Unfälle mit Radfahrern.

Sollen die doch absteigen und über den Fußgängerüberweg schieben!

Kreuzungsfail N°1

Zum Glück lädt kaum eine Darmstädter Kreuzung die Leute dazu ein, Rad zu fahren. Eine wunderbare Methode Radfahrer zu vergraulen, ist sie vor Kreuzungen in den gemischten Verkehr auf die Straße fahren zu lassen. Da freuen sich vor allem Kinder und vorsichtige Radfahrer. Das gelingt besonders gut an der Kreuzung Rhein-/Neckarstr. Während auf der Rheinstraße der Radverkehr eingezwängt zwischen LKW über Radfurten und Straßenbahnschienen geführt wird, hört der Radweg der Neckarstraße aus Süden kommend einfach auf und lässt den, sich gen Norden durchwurschtelnden völlig verwirrten Radfahrer rufen: „Es ist ein(e) Kreuz(ung)!“:

 


7.TOHUWABOHU DELUXE!

Der größte Fehler, den man als Stadtplaner machen kann, ist dem Radverkehr eigene Räume zu geben. Am besten aufgehoben sind Radfahrende in der Mischung mit dem KFZ-Verkehr oder den Fußgängern. Radfahrende in eigenen Zonen, auf abgetrennten Radwegen nehmen Platz weg und werden oft sehr schnell übermütig und bekommen ein gesteigertes Selbstwertgefühl.

Wo kommen wir denn da hin? Am Ende fahren alle Rad!

Mischverkehr-Chaos N°1

Der Luisenplatz ist vor allem seit dem Verbannen der Autos in den 70er Jahren zur zentralen Umsteigebahnhof des ÖPNV mutiert und stößt mit der Kapazität an seine Grenzen. Die Funktion des Verkehrsknotenpunktes lässt sich schwer an der Gestaltung des Platzes ablesen. Der Luisenplatz liegt auf der Rad-Haupterschließung von Westen nach Osten. Dem Radverkehr bietet sich in diese Richtung keine Alternative an. Der Luisenplatz ist ein gelungenes Beispiel dafür, Radfahren durch ein Durcheinandermischen verschiedener Verkehrsmitteltypen so unbequem wie möglich zu machen. Es gibt zwar eine Reihe anderer frisch gebauter Anlagen, die Radfahrer mit anderen Verkehrsteilnehmern mischen (Duales System in der Dieburger Straße; Planung des gemischten Rad- und Fußweg am Herrengarten in der Frankfurter Straße), der Luisenplatz glänzt in der letzte großen Spaßbremsenkategorie aber immer noch am hellsten:


Der kleine ironische Ausflug in die Verrücktheit der Darmstädter Radverkehrsplanung der letzten 60 Jahre ist hiermit wohlmöglich am Ende. Wie es wirklich was wird mit dem Radverkehr, erfahrt ihr in den 7 Goldenen Regeln für ein gutes Radnetz und anderen Beiträgen auf dieser Site. – Aber Vorsicht: Auf keinen Fall lesen!…

 


1 Eine Protected Bike Lane ist ein Radfahrstreifen, der durch unterschiedliche trennende Elemente hilft, die gefühlte Sicherheit zu erhöhen. Das Prinzip kommt aus den USA: http://www.peopleforbikes.org/green-lane-project/pages/protected-bike-lanes-101

 

13 Kommentare

  1. Als wenn wir so viele Radfahrer in Darmstadt haben. Ich habe mehr den Eindruck Darmstadt soll die erste Autofreie Stadt Deutschlands werden. Allerdings etwas Realitätsfremd. Bald sind die Radwege breiter als die Autostrasse.😀Armes Darmstadt. Was für Argumente , ein Auto fährt am Tag 72 min. Den Rest steht es. Es sollte sich mal um die Parksituation für PKW Gedanken gemacht werden. Beispiel Neugestaltung Heidelberger Straße. Bisher lief der Verkehr doch ganz gut. Und jetzt Umgestaltung das man sicherer mit dem Fahrrad unterwegs ist???👎🏻👎🏻👎🏻👎🏻.Es grünt so grün👎🏻👎🏻👎🏻

    1. @darmstadtfaehrrad sagt: Antworten

      Hallo Zimmer. Danke für Deinen Beitrag. Wenn ich Dich richtig verstanden habe, beschreibst Du Deine Angst vor einer Stadt, in der Autos nicht mehr zugelassen werden. Vielleicht kannst Du mir die Anzeichen schildern, die darauf hindeuten, dass es so kommen wird. 1. „Als wenn wir so viele Radfahrer in Darmstadt haben.“- Wir haben ca. 17% Radfahrer in Darmstadt, deutlich mehr als der Bundesdurchschnitt (10%). Es geht aber vor allem darum, noch mehr Menschen in den Städten auf das Rad zu bringen, weil das bisher die einzig machbare Lösung für Platz-,Umwelt- und Gesundheitsprobleme in den Städten ist, die das Autofahren erst verursacht hat. Oder hast Du eine bessere Lösung? 2. „Bald sind Radwege breiter als die Autostraße.“- Vielleicht, aber kennst Du denn eine Straße in Darmstadt, auf der nur Radfahrer fahren dürfen, oder denkst Du nicht auch, dass die Flächen deutlich zugunsten des KFZ-Verkehrs verteilt sind und es viel mehr Straßen gibt, auf denen noch überhaupt keine Infrastruktur für Rafahrer existiert? 3.“…ein Auto fährt am Tag 72min. Den Rest steht es. Es sollte sich mal um die Parksituation für PKW Gedanken gemacht werden.“ – Glaubst Du jeder hat das Recht 10m² öffentlicher Fläche für das Abstellen eines Autos zu besetzen? Und wenn ja, was gibt uns dieses Recht? Findest Du Städte schick und lebenswert, in denen der Straßenraum durch abgestellte PKW dominiert ist? 4.“…Bisher lief der Verkehr doch ganz gut. Und jetzt die Umgestaltung das man sicherer mit dem Fahrrad unterwegs ist???“ – Für wen lief der Verkehr denn gut? Glaubst Du die aktuelle Situation ist dort auch für Radfahrer gut, speziell für radfahrende Kinder? Wir sollten uns in einer zivilisierten Gesellschaft einmal fragen, was uns wichtiger ist: 40 Parkplätze oder die Umgestaltung von Verkehrssituationen, um die Zahl der Unfallopfer zu minimieren. 1368min Parken oder die Sicherheit von Kindern?

    2. Wenn man die Separation des Radverkehrs von den übrigen Fahrzeugen möchte, dann muss man in letzter Konsequenz genügend Raum aufwenden, um ein eigenes Verkehrsnetz für Radfahrer in akzeptabler Qualität bereitzustellen. Auch wenn sich das Klima auf den Straßen langsam verbessert, hatte ich in der Vergangenheit oft den Eindruck, dass die Kraftfahrer die eifrigsten Verfechter dieser Separation waren („Trööööt! Rad weg!!!“) und die Alternative ablehnten. Die Alternative ist Inklusion, das heißt die konsequente und nachhaltige Schaffung eines Verkehrsklimas, in dem sich Radfahrer als reguläre und vollwertige Verkehrsteilnehmer wohl und sicher fühlen und auch objektiv sicher sind. Das erfordert auf Seiten der Radfahrer etwas Überwindung und Lernbereitschaft sowie einen Rückspiegel und seitens der Kraftfahrer geduldige Akzeptanz dafür, dass da jetzt ein Fahrrad fährt und auf den nächsten zweihundert Metern nicht überholt werden kann.

      Nur weil das nicht funktioniert und nicht durchgesetzt wird, geben sich Radfahrer mit solchen faulen Kompromissen wie in der Heidelberger Straße zufrieden. Auch sie zahlen einen Preis dafür, dass ein echtes separates Radverkehrsnetz auf absehbare Zeit nicht realisierbar ist und man stattdessen zu halbherzigen Umverteilungen des Straßenraums greift: auf eine schnurgerade Straße hat man eine groteske Slalomstrecke markiert, welche zudem unnötige Kreuzungspunkte zwischen geradeaus fahrenden Radfahrern und abbiegenden Kraftfahrzeugen und damit Gefahrenstellen schafft.

      Tatsächlich hat vorher alles prima funktioniert, nur mussten Radfahrer zu oft die Erfahrung machen, dass man sie mobbt, wenn sie normal am Verkehr teilnehmen möchten, und dass sich markierte oder gar physisch abgegrenzte Ghettos sicherer anfühlen.

      1. @darmstadtfaehrtrad sagt: Antworten

        Das Modell NE und DNK waren deshalb so erfolgreich, weil sie von Anfang an auf eine Führung setzten, auf denen sich Menschen wohl und sicher fühlten, die vorher von der Teilnahme am Radverkehr ausgeschlossen waren. Erst durch diesen Schritt wurde ein Ambiente der gegenseitigen Wertschätzung erreicht. Wir haben das Gegenteil, weil wir seit Jahrzehnten ein Menschenbild herbeihoffen, dass nicht realisitsch ist.
        Es ist richtig. Die neue Siuation auf der Heidelberger ist nicht das was wir brauchen, wenn wir wollen, dass Kinder sich unbekümmert auf dem Fahrrad fortbewegen sollen. Das sollte man sich immer überlegen, wenn man Inklusion im Straßenverkehr fordert. Und auch richtig: Das geht nicht mit Halbherzigkeit.

  2. Unser OB betont das und ich bin der Meinung, dass wir mehr Personen
    zum Radfahren in der Stadt bekommen könnten um die Luft und Umwelt
    zu verbessern.
    Wenn die Radwege besser und angstfreier würden.
    Es würden z.B. ältere E.Biker sich das zutrauen.
    Ein furchtbares Radfahren ist zum Beispiel der Weg vom Kenndyhaus
    Richtung Röhnring.

  3. Wir sollten mutig sein, Verkehr neu zu denken und neue Visionen zu leben. Nach dem Urteil über mögliche Fahrverbote für schmutzige Dieselfahrzeuge ist klar, dass das jahrzehntelang gepredigte Mantra vom motorisierten Individualverkehr als „Weg zum Glück für alle“ geplatzt ist. Die Städte, die jetzt reagieren und aktiv handeln werden unsere Zukunft gestalten im Gegensatz zu denen, die abwarten bis ihre Luftqualität die von chinesischen Großstädten erreicht hat.
    Es geht deutlich besser wie uns beispielsweise die Niederlande zeigen. Unser kleiner Nachbar ist uns beim Radverkehr weit voraus. Und das ohne Nachteile für die Wirtschaft. Fußballerisch mögen ihre besten Jahre gezählt sein aber wirtschaftlich liegen sie vor Deutschland, das pro Kopf Einkommen ist um 10% höher.
    Und das Positive bei einer Wende in Richtung mehr Radverkehr: Die Lebensqualität der Menschen steigt, die Luftqualität wird verbessert, wir bewegen uns mehr ohne dafür Gebühren fürs Fitnessstudio zu zahlen, die Innenstädte werden belebt, wir gewinnen Platz und sparen Geld und Ressourcen, die wir für wichtigere Dinge einsetzen können als sie in Blech gepressst vor der Haustür zu parken.

    1. @darmstadtfaehrrad sagt: Antworten

      Danke für das gute Résumé, Robin.

  4. Selten so einen Blödsinn gelesen. Wie viele Radfahrer gibt es im Winter, Bei schlechtem wetter. Wieviel Radfahrer fahren bei Rot über die Ampel. Wieviele radfahrer fahren nachts ohne Beleuchtung. WieViele radfahrer verwenden die Strasse obwohl es RAdwege gibt Die Beispiele lassen sich vielfältig vorsetzen.
    Das Prinzip gehirn einschalten Vor dem losfahren, gibt es nicht. gegenseitige rücksichtsnahme im strassenverkehrgibt es nicht.
    Nur eine sinnlose Polemik Darstellung.

    1. @darmstadtfaehrrad sagt: Antworten

      Selten so viele Rechtschreibfehler gelesen Hr. Svhäfer. Ist auch egal. Ich habe irgendwie das Gefühl, Sie schalten vor dem Schreiben ihr gehirn nicht ein. Zurück zum Respekt: Sie beginnen jeden Kommentar mit einem gehässigen Satz. Auf der Straße und hier soll Platz sein für einen sachlichen Austausch und nicht für emotionales Abwerten des Gegenübers.

  5. Super Artikel und auf eine tolle Art auf die Probleme aufmerksam gemacht! Witzig, das auch Fahrradgegner hier so fleißig ihre Abgase ablassen. Schade nur, daß sie immer nur schimpfen können, aber immerhin erreicht ihr auch diese Leute.
    Deswegen super Engagement und weiter so.
    Außerdem glaube ich, dass umso attraktiver Radfahren wird, desto sorgsamer wird auch gefahren (Radrowdy) und es damit weniger Angriffsfläche geben.

    1. @darmstadtfaehrtrad sagt: Antworten

      Danke Martin für das Feedback.

  6. Ein paar Anmerkungen:

    zu Nr .1:
    (a) Zum Glück ist die Bike Lane in der Bleichstraße nicht „protected“. So kann man sich rechtzeitig einordnen und wird nicht gezwungen, bis zum Ende der Markierung vorzufahren. Oft steht auf dem letzten Teilstück der Bleichstraße ohnehin ein Auto auf dem Radstreifen; dann ist es angebracht, sich bereits vor der Kreuzung der Kasinostraße in die Mitte des regulären Fahrstreifens einzuordnen und das ganze Teilstück dort zurückzulegen. Das ist nicht gefährlich, man muss nur seinen Minderwertigkeitskomplex ablegen.
    Das passende T-Shirt dazu gibt es hier: https://shop.glckskind.de/produkt/reflektierend-ich-fahre-auf-der-strasse-herren-t-shirt/

    (b) Das passende Verkehrszeichen für die Stelle in der Pallaswiesenstraße steht aus unerfindlichen Gründen 25 Kilometer entfernt am linksrheinischen Anleger der Kornsandfähre: https://plus.google.com/photos/photo/114858964456343708831/6599349273414219090

    zu Nr. 2:
    Da ist kein Radweg und es hat keinen Sinn, auf dem rote Seitenstreifen zu fahren – man gewinnt dadurch nichts. Richtig ist, links der Markierung zu fahren und kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, etwas anderes zu tun. Die rote Markierung steht für Gefahr; zudem behindern Radfahrer nie den Verkehr, wenn es mehr als einen Fahrstreifen pro Richtung gibt und deswegen auch bei Gegenverkehr problemlos überholt werden kann.
    Kritischer finde ich die Aufteilung zu schmaler Fahrbahnen durch „Schutzstreifen“markierungen wie im neu gestalteten Teil der Bismarckstraße. Sie drängen Radfahrer in die Türzone und suggerieren gleichzeitig eine real nicht vorhandene Überholmöglichkeit. Auch dort muss man um jeden Preis links der Markierung fahren, doch wirkt es dort auf andere viel provokativer

    zu Nr. 3:
    Direkt daneben verläuft eine glatte Fahrbahn. Man muss zuerst dafür sorgen, dass Radfahrer diese Fahrbahn angstfrei benutzen können. Danach kann man ihnen gleichwertige Alternativen anbieten.

    zu Nr. 4:
    Auch wenn die hinführenden Markierungen etwas anderes suggerieren: Auf dem Cityring gibt es gar keine Radverkehrsanlage, sondern nur einen Seitenstreifen, der in der Tat zum Radfahren zu schmal ist. Man muss in der Mitte des rechten regulären Fahrstreifens fahren. Das funktioniert auch gut. Eine farbliche Hervorhebung des Seitenstreifens würde das Verkehrsklima für sicherheitsbewusste und vernünftige Radfahrer voraussichtlich verschlechtern.

    zu Nr. 5:
    Es gibt keinen Grund, dort auf dem Fußweg zu fahren. Wenn man die Parkflächen einen Meter nach rechts verlegt, bleibt auf der Fahrbahn genügend Platz für alle; genügend Platz für Separatismus wäre nur um den Preis eines völligen Park- und Halteverbots zu schaffen.

    zu Nr. 6:
    Die letzte Benutzungspflicht endet bereits an der Kreuzung Hügelstraße. Es gibt keinen vernünftigen Grund, dort nicht auf die Fahrbahn zu wechseln.

    zu Nr. 7:
    Shared Space ist eigentlich eine geile Idee und man muss eben aufeinander aufpassen. Zum Problem wird er, wenn der Verkehr Durchgangsverkehr ist. Dieses Problem stellt sich jedoch in vielen Innenstädten, die großflächig in Fußgängerzonen verwandelt wurden. Das Problem für Radfahrer ist eher, dass man das Zentrum je nach Richtung auch schlecht umfahren kann.

    1. @darmstadtfaehrtrad sagt: Antworten

      Sven Türpe, danke für die Kommentare. Bei den Anmerkungen zum Fahrbahnfahren aber bitte immer daran denken, dass Radinfrastruktur für ALLE sein muss. Für Profi wie für Anfänger, Angsthasen, Senioren und vor allem Kinder. Eine Infrastruktur nur für Profis fordern, die sowieso schon Rad fahren, ist keine inlusive Radverkehrspolitik, sondern ausschließende.

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